Kerninhalte des Impulsvortrages

Die wesentlichen vier Ebenen der Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz im therapeutischen Kontext.

Ebene 1

Lebensrealität der Klienten: Die digitale Bezugsperson

KI-Chatbots sind im Alltag angekommen: 94% der Jugendlichen nutzen sie, wobei ChatGPT mit 90% unangefochtener Marktführer ist (24% tägliche Nutzung). Ein Viertel spricht lieber mit Bots über Probleme als mit Menschen, was das Risiko einer anthropomorphisierten Bindung birgt.

  • Risiko "Pseudo-Empathie": Beziehungs-Simulation durch gefällige, bestätigende Antworten der KI. 40% empfinden KI oft sogar als "hilfreicher" als einen Menschen.
  • Die Privatheits-Illusion: 28% der Jugendlichen vertrauen KI intime Geheimnisse an und glauben fälschlicherweise, dass Chat-Eingaben für niemanden einsehbar sind.
Quelle: Saferinternet.at, Jugendstudie "KI-Chatbots als Alltagsbegleiter", Februar 2026
Digitale Bezugsperson Illustration
Ebene 2

Der Therapieraum & DiGAs: Werkzeug, Ergänzung oder Ersatz?

Vom rechtlich verankerten Rahmen der Online-Therapie (PthG 2024) über Apps auf Rezept (DiGAs) bis hin zu KI-Chatbots, die momentan noch oft einen unregulierten "Wilden Westen" darstellen.

  • Chance: Blended Therapy – Die sinnvolle und chancensensible Kombination aus menschlicher Begleitung und digitalen Tools.
  • Risiko: Automation Bias – Die Tendenz, algorithmischen Daten mehr zu vertrauen als der eigenen therapeutischen Intuition.
  • Zertifizierungsbedarf: Der Ruf nach einem klaren, verbindlichen Prüfverfahren (CE-Kennzeichnung + Österreichisches Vertrauenssiegel) zur Qualitätssicherung und Abgrenzung von "Lifestyle-Apps".
Quelle: Böckle et al. (2025) Positionspapier zur Digitalisierung in der Psychotherapie
Online Therapie Illustration
Ebene 3

Dokumentation & Ausbildung: Die Gefahr des "Deskilling"

Wenn die KI den Bericht schreibt, entfällt der wichtige kognitive Prozess der Fall-Durchdringung ("Writing is Thinking").

  • Effizienz vs. Reflexion: Die Übernahme von Dokumentationsaufgaben verhindert die intensive gedankliche Auseinandersetzung.
  • Verlust impliziten Wissens: Auszubildende lernen keine Fallkonzeption, wenn sie das Schreiben zu früh an die KI delegieren.
  • Veränderung der Rolle: Es besteht die Gefahr, vom verstehenden Gegenüber zum bloßen Überwacher ("Human-in-the-Loop") zu werden.
Quelle: Deutscher Ethikrat; WHO (2024) Ethics and governance of AI for health
Dokumentation und Schreiben Illustration
Ebene 4

Gesellschaft & Ethik: Responsible AI und der Resonanzraum

In einer Welt der sofortigen Antworten bietet Psychotherapie das Premiumprodukt Zeit und einen analogen Schutzraum vor digitaler Bewertungslogik.

  • Medizinethische Prinzipien: Digitale Tools müssen sich stets an Autonomie (Choice, kein Zwang), Nichtschaden (Datensicherheit, Bias-Prävention), Fürsorge und Gerechtigkeit (Vermeidung eines "Digital Divide") messen lassen.
  • Datenschutz-Illusion: "Server in Europa" reicht nicht (Blackbox-Problem, kommerzielle KI-Interessen, Risiko des "Data Colonialism"). Es bedarf einer "Privacy by Design"-Garantie und Datenhoheit für Klient:innen.
  • Verantwortung & Interpretation: KI kann Einsicht simulieren, aber keine Verantwortung übernehmen. Die Wahrung des therapeutischen Interpretationsspielraums (Human-in-the-Loop) ist essenziell.
Quelle: Böckle et al. (2025); WHO (2024) Ethics and governance of AI for health
Ethische Sanduhr Illustration
Vortrag vom 25. März 2026

Ergebnisse der Umfrage

8 Teilnehmer:innen haben nach dem Impulsvortrag an der anonymen Befragung teilgenommen. Hier sind die wichtigsten Ergebnisse.

KI-generierte Zusammenfassung der Umfrageergebnisse

Bild: KI-generierte visuelle Zusammenfassung der Ergebnisse

Offenheit für KI-Integration
Ø 2,25 / 5
1 = gar nicht offen5 = sehr offen

Skepsis gegenüber KI im therapeutischen Prozess überwiegt – gleichzeitig ist eine klare Offenheit gegenüber Digitalisierung spürbar und wurde auch in der Diskussion mit konkreten Statements belegt.

Sinnhaftigkeit von DiGAs
Ø 2,43 / 5
1 = gar nicht sinnvoll5 = sehr sinnvoll

Digitale Gesundheitsanwendungen werden skeptisch bewertet – mit Spielraum nach oben.

KI für Berichte & Stellungnahmen?
Nur unter strengen Auflagen
5 / 8
Nein
2 / 8
Ja
1 / 8
KI schließt Versorgungslücken im ländlichen Raum?
Eher nein
4 / 8
Eher ja
3 / 8
Nein
1 / 8
Entwertung des Berufsstandes durch KI?
Nein, Expertise ist unersetzlich
7 / 8
Ja, in gewissem Maße
1 / 8
Aktuelle Dokumentationsmethode
Papier / analog
5 / 8
Digital mit KI-Unterstützung
2 / 8
Digital (ohne KI)
1 / 8
Was hindert an der Nutzung von KI-Tools? (Mehrfachauswahl, n=8)
7 ×
Datenschutz & Compliance
3 ×
Technikangst / fehlende Kenntnisse
3 ×
Fehlende Evidenz
1 ×
Zeit- / Ressourcenmangel
1 ×
Andere Gründe
Ausgewählte Stimmen aus der Diskussion

„Es gibt sie, wir müssen sie nicht verwenden. Wenn, dann als Werkzeug und nicht als Beziehungsersatz.“

„Recherche und Öffnen von weiteren Perspektiven super – fehlende Empathie und Datenleck-Sorge.“

„Menschlichen Hausverstand integrieren.“

„KI soll nicht schaden!! Daten sollen nie verwendet werden können.“

„Toll war’s 😃👍“

Stellungnahme & Kritik

Ergänzender Beitrag zum Positionspapier "Digitalisierung in der Psychotherapie in Österreich"

Diese Stellungnahme wurde von Alexander Ortner im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Positionspapier „Digitalisierung in der Psychotherapie in Österreich" (Böckle et al., 2025) verfasst und an alle relevanten Institutionen übermittelt: ÖBVP, VÖPP, die Verfasser:innen des Positionspapiers, den Psychotherapiebeirat sowie den ÖAGG.

Zusammenfassung (Executive Summary)

Ausgehend von intensiver Auseinandersetzung mit KI-Systemen und digitalen Dokumentationslösungen werden drei zentrale Punkte kritisch beleuchtet:

  1. Reale Datensicherheit und strukturelle Abhängigkeit von Anbietern: Insbesondere bei cloudbasierten SaaS-Lösungen (Black Box) stellt sich die Frage, ob sensible therapeutische Verlaufsdokumentationen technisch abgesichert sind oder letztlich auf blindem Vertrauen beruhen. (Risiko von Unternehmensinsolvenzen und massiven Datenlecks durch Aggregation).
  2. Auswirkungen auf Ausbildung und professionelle Identitätsentwicklung: Der Einsatz KI-gestützter Analysesysteme könnte verändern, wie Kompetenz entsteht. Dokumentation und Selbstreflexion ("Writing is Thinking") im geschützten Lernraum dürfen als zentrale Elemente der Sozialisation nicht verkürzt werden. Die Gefahr von KI-Hörigkeit droht unsere professionelle Selbstwirksamkeit auszuhöhlen.
  3. Ökonomisierung und Verschwiegenheit als Markenkern (USP): Digitalisierung fördert Tendenzen zur Ökonomisierung der Praxis. Die Psychotherapie sollte ihre Schutzstandards nicht unter Wettbewerbsdruck relativieren, sondern muss die absolute Verschwiegenheit als ihren professionsethischen Kern verteidigen. Einwilligungen (Informed Consent) geraten bei Vulnerabilität schnell zur "Schein-Einwilligung" (Compliance).

Fazit: Technikoffen, aber professionsschützend. Wir brauchen unabhängige Zertifizierungsstellen für cloudbasierte Verarbeitung, technisch garantierte Löschkonzepte und verbindliche Datenschutz-Audits, um keine Kompromisse bei der Vertraulichkeit einzugehen.

Ganze Stellungnahme lesen →
Live-Demo beim Vortrag

KI in der Praxis – Vom Rohmaterial zur fertigen Präsentation in 45 Minuten

Um zu zeigen, was KI kann und wie man sie sinnvoll anwendet, habe ich beim Vortrag einen Zeitraffer-Screencast gezeigt: Wie ich diese Präsentation mithilfe von KI erstellt habe.

  • Quellen recherchiert & gefunden
  • In NotebookLM eingefügt, diskutiert & Inhalte verfeinert
  • Mit einem Klick: fertige PowerPoint-Präsentation
  • Das neben/untenstehende Video: vollständig KI-generiertmit einem weiteren Klick

Dieses Video wurde vollständig mit KI generiert.

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Zu meiner Person

Alexander Ortner

Humanistischer Psychotherapeut (Psychodrama) & Supervisor – in eigener Praxis in Graz und Ligist.

Ich beschäftige mich intensiv mit der Schnittstelle von Psychotherapie, Technologie und ethischer Verantwortung.

Praxissoftware mit integrierter KI

In den letzten Monaten habe ich eine lokale Praxissoftware entwickelt – vollständig auf dem eigenen Gerät, ohne Cloud, mit tief integrierter KI-Unterstützung.

Die Software läuft komplett lokal: Keine Daten verlassen das Gerät. KI wird direkt vor Ort genutzt – ohne Datenschutzkompromisse.

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